Kianush beweist die runde Erde: Ende der Verschwörung?
Kianush hat es wieder getan. Kürzlich sorgte der Rapper mit einem vermeintlichen „Experiment“ für Gesprächsstoff, dessen Ergebnis die Form unserer Erde klären sollte: Sie ist rund. Ein Move, der für viele in der Szene nicht weniger als eine bizarre Pointe in seinem langjährigen Film mit Verschwörungstheorien darstellt.
Wer Kianushs Karriere verfolgt, weiß, dass er seit Jahren kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es um alternative Fakten und Skepsis gegenüber etablierten Narrativen geht. Ob es um Gesundheitsfragen, Politik oder eben die flache Erde ging – Kianush positionierte sich oft abseits des Mainstreams. Dieses „Experiment“, das für Außenstehende wie eine späte Erkenntnis einer Binsenweisheit wirkt, ist im Kontext seiner früheren Aussagen ein echter Kopfschüttler und gleichzeitig ein Statement. War es ein ironischer Zug, um seine Kritiker zu trollen, oder eine ernsthafte, wenn auch verspätete, Auseinandersetzung mit der Realität? Die Reaktionen in den Kommentaren und auf anderen Plattformen reichen von Spott bis zu ungläubigem Staunen.
WAS STECKT HINTER DEM ROUNDEARTH-MOVE?
Kianush ist kein Unbekannter, wenn es darum geht, Aufmerksamkeit zu erregen. In einer Zeit, in der Content König ist und jede Meinung, sei sie noch so extrem, ihren Algorithmus findet, stellt sich die Frage nach der Motivation. Ist es Kalkül, um im Gespräch zu bleiben? Oder ist es der ehrliche Versuch eines Künstlers, seine persönliche Reise der Erkenntnis öffentlich zu machen? Für uns bei 10von10 ist klar: Ein Rapper, der sich über Jahre hinweg als Verfechter bestimmter Theorien positioniert, kann nicht einfach ein „Experiment“ durchführen und damit alles für erledigt erklären. Das ist keine wissenschaftliche Arbeit, sondern ein performativer Akt.
Die Rap-Szene lebt von Authentizität und Haltung. Doch wo zieht man die Grenze, wenn persönliche Überzeugungen in Bereiche abdriften, die wissenschaftlich längst geklärt sind und potenziell gefährliche Desinformation verbreiten? Kianushs „Experiment“ mag für ihn selbst eine Art innerer Frieden gewesen sein, für viele seiner Fans und Kritiker wirkt es jedoch wie ein nachträglicher Versuch, sich aus einer Ecke zu manövrieren, in die er sich selbst gestellt hat. Wir sehen das kritisch. Es ist eine Sache, den Status Quo zu hinterfragen oder gesellschaftliche Missstände anzuprangern, aber eine ganz andere, grundlegende Fakten als „Theorie“ zu behandeln und dann mit einem Laien-Experiment zu widerlegen, was seit Jahrhunderten bewiesen ist. Das verwischt die Grenzen zwischen berechtigter Skepsis und einfach nur ignorantem Geschwätz. Die Glaubwürdigkeit eines Künstlers leidet darunter, wenn er sich so oft in Widersprüche verwickelt.
WAS BLEIBT ÜBRIG?
Am Ende des Tages ist Kianushs „Erde ist rund“-Experiment ein Paradebeispiel dafür, wie Künstler im digitalen Zeitalter mit ihren Meinungen und Überzeugungen umgehen. Es zeigt, wie schnell sich Narrative ändern können und wie Content-getrieben die öffentliche Wahrnehmung ist. Ob Kianush damit einen neuen Hall-of-Fame Status als geläuterter Skeptiker erreicht oder als Entertainer, der selbst die offensichtlichsten Dinge hinterfragt, muss jeder für sich entscheiden. Für uns ist es ein weiteres Kapitel im Buch des Deutschraps, das zeigt, dass die Kunstfigur und die private Person nicht immer leicht zu trennen sind – besonders, wenn die privaten Überzeugungen so öffentlichkeitswirksam sind.
Dieses Kapitel um Kianush und die runde Erde wird sicherlich noch für Gesprächsstoff sorgen. Es verdeutlicht, dass im Rap nicht nur um Beats und Bars geht, sondern immer auch um die Persönlichkeiten dahinter – und deren manchmal sehr eigenwillige Ansichten.
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Kianushs „Erde ist rund“-Experiment: Genie-Streich oder peinliche Kehrtwende? Diskutiert mit uns im Forum über Glaubwürdigkeit und Content im Deutschrap!